Schmetterlinge mit anderen Augen betrachten

Vor kurzem habe ich einen ganz besonderen Besuch begrüßen: Manfred Schönwälder, Projektleiter im Umweltschutz der Stadt Wien, kam gemeinsam mit einer Begleitung zu uns in die Streuobstwiese. Für mich – Luis – war es ein beeindruckendes Erlebnis, denn wenn jemand ein geschultes Auge hat und seine Beobachtungen teilt, führt es dazu plötzlich mehr Dinge zu sehen, die einem sonst entgehen.

Manfred zeigte uns, wie man einen Schmetterling richtig und sicher anfassen kann, ohne ihn zu verletzen. Allein das zu beobachten war faszinierend. Besonders spannend: Bei vielen Schmetterlingsarten unterscheiden sich die Farben der Geschlechter sichtbar – ein kleines Naturgeheimnis, das man erst erkennt, wenn man weiß, worauf man achten muss.

Ebenso beeindruckend war die Auswertung einer standardisierten 15‑Minuten‑Zählung. In so kurzer Zeit zeigt sich, wie lebendig und vielfältig unsere Wiese geworden ist, dazu allerdings unten mehr.

17 Jahre Arbeit – und ein lebendiges Ökosystem

Wir sind stolz darauf, was wir in 17 Jahren geschafft haben. Aus einem intensiv genutzten Acker ist eine Streuobstwiese entstanden, die heute Lebensraum für unzählige Arten bietet. Ein Ort, der zeigt, was möglich ist, wenn man Natur nicht nur nutzt, sondern pflegt, versteht und ihr Raum gibt.

Ein kurzer Einblick mit großer Aussicht

[Original Bericht von Manfred Schönwälder] Auf der Streuobstwiese tummeln sich gerade sehr viele Insekten. Die Mischung aus Tief- u. Flachwurzlern und die extensive Pflege haben dazu geführt, dass trotz der Trockenheit ein hohes Angebot an Nektar und Pollen besteht. Anders wie auf den Flächen wo der Rasen-Roboter alles Leben auslöscht herrscht hier ein Bekenntnis zum Leben und die Einsicht, dass ein gesundes Ökosystem nur mit einer hohen Artenvielfalt einher geht.

Davon konnte sich auch der Landschaftsökologen Manfred Schönwälder überzeugen. Er führte eine standardisierte 15 Minuten Tagfalter-Zählung nach der Methode von „Butterfly Conservation Europe“ durch und fand in der kurzen Zeit gleich 10 Arten mit 31 Individuen, unter anderem:

Kleines Wiesenvögelchen, Wander-Gelbling, Kurzschwänziger Bläuling, Kleiner Feuerfalter, Himmelblauer Bläuling, Großes Ochsenauge, Wachtelweizen Scheckenfalter, Kleiner Kohlweißling, Hauhechelbläuling

Himmelblauer Bläuling(C)Manfred Schönwälder
Himmelblauer Bläuling – Foto: Manfred Schönwälder

Foto 1: Himmelblauer Bläuling: Eine besonders schöne Art mit markanter Blaufärbung und dem schwarz-weiß gescheckten Flügelsaum

Kleiner Feuerfalter - Foto Manfred Schönwälder
Kleiner Feuerfalter – Foto Manfred Schönwälder

Foto 2: Kleiner Feuerfalter: Der kleine Falter zählt auch zu den „Bläulingen“, trotz seiner rötlichen Färbung

Falter auf feuchten Bodenstellen - Foto Manfred Schönwälder

Falter auf feuchten Bodenstellen – Foto Manfred SchönwälderFoto 3: Viele Falter lieben es auf feuchten Bodenstellen Mineralsalze und Wasser aufzunehmen – Eine auf der Streuobstwiese zu schaffen ist keine Hexerei, doch man muss daran denken!

Neben den Tagfaltern gab es aber auch eine Vielzahl von „Nachtfaltern“ allen voran die Arten Rostgelber Magerrasen-Zwergspanner (Idaea serpentata) und der Rhabarberzünsler (Oncocera semirubella) die bei jedem Schritt in der Streuobstwiese aufflogen. Damit eine vollständige Artenliste entsteht werden noch zahlreiche Begehungen nötig sein, doch die Aussichten auf weitere tolle Sichtungen sind sehr groß.

Lieber Manfred, vielen Dank für deinen Besuch und dein mit uns geteiltes Wissen – Solche Tage motivieren uns, weiterzumachen und die Streuobstwiese Schritt für Schritt noch vielfältiger zu gestalten. Vor kurzem hatten wir schon einen Schmetterlingsbeitrag und auch hier an dieser Stelle können wir nur alle die Interesse haben zu einer Fotosafari einladen. Wer Schmetterlinge liebt, Natur schätzt oder einfach neugierig ist, ist herzlich eingeladen, vorbeizukommen.
Wir zeigen gerne die Plätze, an denen die Falter besonders häufig zu sehen sind. Bitte einfach bei Luis melden.

  1. Waldbauer

    Wenn man den Bericht liest wird einem erst bewusst, was man im Trubel des Alltags eigentlich versäumt. Werde mich, wenn ich wieder einmal in der Gartenanlage vom Alois zu Besuch sein darf, in die Wiese setzen und beobachten, was passiert. Wenn es oft auch brutal zugeht (wenn Nützlinge Schädlinge eliminieren und diese wiederum als Futter für den Vogelnachwuchs dienen), so tut die Ruhe einem selbst gut, für Körper und Geist. Und man muss zur Kenntnis nehmen, dass ohne Zutun des Menschen die Lebewesen mit der Natur sehr gut harmonieren. Wenn man sie nur lässt.

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